Erster Weltkrieg und
    Besatzung 1918-1930
    in Rheinland-Pfalz

    Projekt "Stars and Stripes am Deutschen Eck. Die amerikanische Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg an Rhein und Mosel (1918–1923)"

    Amerikanische Militärpolizei, stationiert im Haus Braubacher Str. 2 in Bad Ems[Bild: Stadtarchiv Bad Ems]

    Das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. erforscht in einem wissenschaftlichen Projekt diese bislang wenig beachtete amerikanische Besetzung nach dem Ersten Weltkrieg (1918–1923). Im Rahmen des Jubiläumsjahres 100 Jahre Präsenz der Amerikaner in Rheinland-Pfalz hat es eine eigene Ausstellung erarbeitet, die zusammen mit der vom Südwestrundfunk gedrehten Filmdokumentation gezeigt wird.   

    Damit soll diese Phase der deutsch-amerikanischen Geschichte wieder stärker ins Bewusstsein gerückt und als Teil einer gemeinsamen deutsch-amerikanischen Erinnerungskultur etabliert werden.

    Nicht selten werden der rasante wirtschaftliche Aufstieg und Wohlstand in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshallplan in Verbindung gebracht. Der Namensgeber des Marshallplans, der damalige US-Außenminister George C. Marshall, erhielt 1953 für sein European Recovery Program zur Hilfe kriegsgeschädigter europäischer Staaten sogar den Friedensnobelpreis. Seine profunden Kenntnisse darüber, wie ein Land nach einer so schweren Niederlage zu behandeln sei, resultierten nicht zuletzt aus seinen persönlichen Erfahrungen nach dem Ersten Weltkrieg. Als Adjutant John J. Pershings (1860–1948), des Oberbefehlshabers der US-Streitkräfte, war er bereits 1918 an den Rhein gekommen.

    Nach zwei Weltkriegen und darauffolgender amerikanischer Besetzung ist Deutschland längst Partner und Freund der USA geworden. Über 50.000 Amerikaner leben heute in Rheinland-Pfalz, das wie kaum ein anderes Bundesland von der Präsenz der Amerikaner geprägt wurde. Bis zum heutigen Tag ist die Air Base in Ramstein einer der strategisch wichtigsten Standorte der US Air Forces in Deutschland und Europa.

    Weder im rheinland-pfälzischen noch im deutschen und amerikanischen geschichtlichen Gedächtnis ist verankert, dass schon nach dem Ende des Ersten Weltkrieges bis 1923 weite Teile des Gebiets von Trier bis Koblenz und im Westerwald eine eigene amerikanische Besatzungszone bildeten.

    Ärmelabzeichen der in Neuwied stationierten sogenannten 2. Indianerkopf-Division [Bild: Kreismedienzentrum Neuwied - Sammlung Kupfer]

    Dabei markieren diese Jahre durchaus eine prägende Zeitspanne. Nach der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts näherten sich in den Jahren der amerikanischen Besetzung Deutsche und Amerikaner auf unterschiedlichen Ebenen an. In dieser Zeit begann eine politische Kooperation und Aussöhnung zwischen Deutschland und Amerika, die im August 1921 mit dem Separatfrieden zwischen den USA und dem Deutschen Reich einen ersten außenpolitischen Ausgleich und Höhepunkt fand. Aus einstigen Feinden waren in kurzer Zeit Partner oder gar Freunde geworden. Bezeichnend für diese Auffassung mag Hermann von Hatzfeldt (1867–1941), der Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete stehen, der bei der Verabschiedung General Allens den Beginn der politischen Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika zum Ausdruck brachte. Als Feinde seien die Amerikaner gekommen, aber als Freunde geschieden, und er habe die Hoffnung, dass das von den Amerikanern gegenüber Deutschland gezeigte Bestreben nach Menschlichkeit und hohem Sinn für Rechtlichkeit noch nicht erschöpft sein möge. Mit Blick auf den Charakter der amerikanischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg, für welche die kurze Besatzungszeit 1918–1923 sogar zum Modell avancierte, sollte er ohne Zweifel Recht behalten.

    Doch nicht nur politisch, auch wirtschaftlich, sozial- und kulturgeschichtlich hat diese etwas mehr als vierjährige amerikanische Besetzung an Rhein und Mosel durchaus Spuren hinterlassen und interessante Begegnungen zwischen den beiden Kulturen ermöglicht. Mit den Doughboys („Teigjungs“), wie die amerikanischen Soldaten umgangssprachlich genannt wurden, kamen auch Jazz, Baseball, Kaugummi, Pancakes und Coca-Cola an den Rhein. Nicht zuletzt gingen zahlreiche Ehen und Kinder aus den deutsch-amerikanischen Beziehungen jener Jahre hervor. Doch bis zum heutigen Tag wissen viele amerikanische und deutsche Familien gar nicht, dass sie – gleichsam als eine Spätfolge dieser Jahre – miteinander verwandt sind. In einzelnen Fällen gelang es sogar schon, deutsche und amerikanische Nachfahren der amerikanischen Besatzungssoldaten und somit Familien 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg zusammenzuführen.