Erster Weltkrieg und
    Besatzung 1918-1930
    in Rheinland-Pfalz

    1.1 Zum Kriegseintritt der USA und der Besatzungszeit

    Einmarsch Amerikanischer Truppen Ende 1918[Bild: Wikimedia Commons, gemeinfrei]

    Zum besseren Verständnis erfolgt in diesem Kapitel eine kurze Beschreibung des Kriegseintritts der USA im Jahr 1917 und der auf den Ersten Weltkrieg folgenden amerikanischen Besatzungszeit von 1918-1923. Der Kriegsverlauf selbst wird in dieser Arbeit nicht näher behandelt.[Anm. 1]

    Nach dem abgelehnten Friedensangebot der Mittelmächte an die Entente im Dezember 1916, verfolgte das Deutsche Reich ab Februar 1917 u.a. die Strategie des uneingeschränkten U-Boot-Krieges. Die US-Regierung unter Woodrow Wilson brach daraufhin ihre diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab und erklärte selbigem, nachdem amerikanische Schiffe von deutschen U-Booten versenkt worden waren, am 6. April 1917 den Krieg.[Anm. 2]

    Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstandsvertrag von Compiègne abgeschlossen und der Krieg damit beendet. Deutschland trafen harte Waffenstillstandsbedingungen und Reparationsforderungen.[Anm. 3] Teil dieser Bedingungen war die alliierte Besetzung des Rheinlands, um Deutschland dadurch zur Einhaltung des Waffenstillstands zu zwingen.[Anm. 4]

    Auf amerikanischer Seite wurden die zwei in Frankreich stehenden amerikanischen Armeen der American Expeditionary Force, kurz AEF, zur »Third United States Army« zusammengefasst und erhielten den Befehl ins Rheinland vorzustoßen. Diese oft als »Army of Occupation« bezeichnete Armee unter der Führung von Major General Joseph T. Dickman wurde über Belgien und Luxemburg an den Rhein verlegt, um im Raum Koblenz-Trier als Besatzungsmacht die alliierten bzw. amerikanischen Interessen zu vertreten und durchzusetzen.[Anm. 5] Im Waffenstillstandsvertrag war den alliierten Besatzungstruppen ein umfassendes Einquartierungs- und Requisitionsrecht zugestanden worden, wonach sich die alliierten Truppen in die Behausungen der deutschen Bevölkerung einquartieren konnten. Bis zur Entspannung der Wohnsituation Mitte 1919 führte dies zu erheblichen Spannungen mit der Bevölkerung.[Anm. 6]

    Anfänglich setzte Deutschland große Hoffnungen in Amerika als milden Besatzer und Vermittler mit den restlichen Siegermächten. Man hatte sich auf einen Friedensvertrag anhand der von Präsident Wilson vorgeschlagen 14 Punkte[Anm. 7] eingestellt. Diese Hoffnungen wurden mit den Verhandlungen und der letztlichen Unterzeichnung des für Deutschland ungleich härter ausfallenden Versailler Vertrags am 28. Juni 1919 enttäuscht, wodurch sich das deutsch-amerikanische Verhältnis zusehends verschlechterte.[Anm. 8] Amerika unterzeichnete den Vertrag nicht und befand sich daher praktisch gesehen noch im Krieg mit Deutschland.[Anm. 9]

    Bekanntmachung des Landrates zur Lockerung der Ausgangssperre in der Neuwieder Zeitung vom 06.03.1919[Bild: Kreismedienzentrum Neuwied]

    Seit Frühjahr 1919 begannen die Amerikaner kontinuierlich Truppen aus der Besatzungszone abzuziehen und zurück nach Amerika zu verschiffen und zugleich, in deutlich geringerem Umfang, frische Truppen in die Zone zu führen. Am 8. Juli 1919 übernahm Major General Henry T. Allen das Kommando über die übrigen Truppen, die unter dem Namen »American Forces in Germany«, kurz AFG, zusammengefasst wurden.[Anm. 10] Mit der stetigen Verringerung der Anzahl amerikanischer Truppen wurde auch deren Zone verkleinert und den Franzosen überlassen.[Anm. 11] Diese Veränderungen förderten, besonders im Vergleich zwischen gemäßigter amerikanischer und harscher französischer (Besatzungs-)Politik, wiederum ein gutes Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern.[Anm. 12] Am 25. August 1921 wurde der Vertrag von Berlin, das Friedensabkommen zwischen Deutschland und Amerika, unterzeichnet.[Anm. 13] Die letzten verblieben US-Truppen wurden offiziell im Januar 1923, gleichzeitig mit dem französischen Einmarsch ins Ruhrgebiets, abgezogen.[Anm. 14]

    Anmerkungen:

    1. Zum Kriegsverlauf des Ersten Weltkriegs vgl. Leonard, Jörn: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. München 52014. Zurück
    2. Vgl. Link, Werner: Die amerikanische Stabilisierungspolitik in Deutschland 1921-32. Düsseldorf 1970. S. 32f; Rohwer, Jürgen: s.v. U-Boot-Krieg. In: Hirschfeld, Gerhard [u.a.] (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn ²2014, S. 931-934. Zurück
    3. Vgl. Barnes, S. 8-10. Zurück
    4. Vgl. Kuhlman, Erika: American Doughboys and German Fräuleins: Sexuality, Patriarchy and Privilege in the American-Occupied-Rhineland, 1918-23. In: The Journal of Military History 71 (2007), H. 4, S. 1077-1106, hier S. 1083; Nelson, S. 25. Zurück
    5. Vgl. Barnes, S. 19. Zurück
    6. Vgl. Ebd., S. 97; Golecki, Anton: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik. In: Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Bd. 2. Stuttgart 1993, S. 120-163, hier S. 145. Zurück
    7. Zu den vorgeschlagenen 14 Punkten vgl. Link, S. 32f; Schwabe, Klaus: Weltmacht und Weltordnung. Amerikanische Außenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart. Eine Jahrhundertgeschichte. Paderborn 2011, S. 43-45, 66. Zurück
    8. Vgl. Barnes, S. 115, 184, 218; Boas, George: Human Relations in Military Government. In: Public Opinion Quarterly 7 (1943), H. 4, S. 542-554, hier S. 548, S. 553; Kuhlman, S. 1083. Zurück
    9. Von den europäischen Siegermächten im Krieg als „Latecommers“ bezeichnet, empörten sich die amerikanischen Führer und Verantwortlichen über das eigenmächtige Verhalten jener Mächte bei den Versailler Verhandlungen, verweigerten eine Unterzeichnung des für Deutschland harten Friedensvertrages und ernteten daher Lob von deutscher Seite, vgl. Barnes, S. 191. Zurück
    10. Vgl. Barnes, S. 184; Nelson, S. 49, 146; Allen hatte bei seinem Amtsantritt mit Problemen wie Disziplinlosigkeit und Moralverfall innerhalb der Armee zu kämpfen und wirkte diesen hartnäckig entgegen, vgl. Barnes, S. 187f, 219. Zurück
    11. Vgl. Nelson, S. 146-148. Zurück
    12. Vgl. Nelson, S. 150; Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird ersichtlich, dass sich das deutsch-amerikanische Verhältnis während der Besetzung u.a. am amerikanisch-französischen Verhältnis maß. Zurück
    13. Vgl. Barnes, S. 271. Zurück
    14. In der Forschung wird davon ausgegangen, dass der endgültige Abzug schon vor der Intervention Frankreichs beschlossen war und nicht aufgrund dieser beschlossen wurde. Doch führten die ständigen Einmischungsversuche Frankreichs in die amerikanische Zone bereits zuvor zu Spannungen zwischen den Mächten. Deutschlands Verhältnis zu Amerika besserte sich demgegenüber zunehmend; Vgl. Barnes, S. 278-281; Kentenich, Gottfried: Trier und das trierer Land  in der Besatzungszeit 1919-1930. 12 Jahre unter der Geißel der Fremdherrschaft. Trier 1930, S. 42-44; Nelson, S. 242f. Zurück